(© Melanie Vogel) Angst und Mut sind zwei Seiten einer Medaille. Beide bedingen sich gegenseitig. Ohne Mut können wir die Angst nicht bezwingen und ohne Angst wäre alles, was wir tun, hochgradig wagemutig und vermutlich überaus lebensgefährlich – nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere.

Zwischen den Mutigen und den Ängstlichen gibt es jedoch einen elementaren Unterschied: Der mutige Mensch agiert trotz Angst, während sich der ängstliche Mensch seiner Angst hingibt.

Sowohl Mut als auch Angst entfalten eine zerstörerische Wirkung. Die Wirkung des Mutes ist kreativ, denn durch den Mut entsteht etwas Neues. Der mutige Mensch ist nach der Überwindung seiner Angst nicht mehr derselbe wie vorher. Er ist (an sich selbst) gewachsen und sich seines Selbst bewusster. Aus der Überwindung der Angst schöpft er Kraft und das bestärkt seinen Mut. Mut führt zu noch mehr Mut und damit zur Überwindung und Ausweitung der eigenen Grenzen. Der Handlungsspielraum mutiger Menschen wird so immer größer.

Demgegenüber ist die Wirkung der Angst verheerend. Aus der Angst heraus entsteht nichts Neues, nichts Kreatives, sondern nur Begrenzung und Verwüstung. Angst gebiert noch mehr Angst und tötet langsam, aber unaufhörlich nicht nur unsere Lebenskraft, sondern auch unsere Persönlichkeit. Während Mut unsere Grenzen ausdehnt, schränkt Angst die Grenzen immer weiter ein. Unser Handlungsspielraum schrumpft kontinuierlich.

Doch woher kommt der Mut? Sind es konkrete Situationen? Ideale? Oder tiefes Selbstvertrauen?

Vermutlich ist es von allem etwas. Wissenschaft und Forschung sind sich an dieser Stelle nicht wirklich einig. Fakt ist: In unserer postheroischen Gesellschaft ist Mut eher Privatsache und lädt daher selten zum Nachmachen ein, weil wir schlicht und ergreifend nicht wissen, wann ein Mensch sich ein Herz fasst und mutig eigene Grenzen überschreitet und die persönliche Komfortzone verlässt.

Während Angst eine Ur-Emotion ist, die unseren Vorfahren das Leben gerettet und das Überleben gesichert hat, ist Mut eine Tugend. Ich persönlich betrachte MUT als ein Akronym, nämlich als die Abkürzung für

M – Möglichkeiten

U – unseres

T – Tuns ausloten

Indem wir dieser Anleitung folgen, gewinnen wir Stück für Stück immer mehr Handlungsspielraum und vergrößern unsere Komfortzone.