(© Melanie Vogel) Frauen haben durch mögliche Familienzeiten immer noch nicht nur andere Karriereverläufe als Männer, sondern sie verhalten sich bei der Karriereplanung auch anders als die männlichen Mitkonkurrenten. Die Forschung hat fünf kritische Aspekte herausgearbeitet, die Frauen weltweit im Weg stehen, wenn es um die eigene Berufs- und Aufstiegsplanung geht:

  1. Old Boys Networks – alteingesessene und für Frauen meist komplett verschlossene Männerbünde
  2. Stereotype Betrachtung von Karrieren – bei Männern schaut man auf zukünftiges Potenzial, bei Frauen auf rückwirkende Leistungen
  3. Fehlende bzw. deutlich weniger schlagkräftige berufliche Frauennetzwerke, in denen oft starke Frauen in hohen Positionen in der Wirtschaft fehlen
  4. Mangelnde Akzeptanz von Frauennetzwerken – sowohl bei Männern als auch bei Frauen
  5. Fehlende Vernetzung zu den Mächtigen in die Top-Etagen

Diese Auflistung zeigt, dass ein relevantes und oft verkanntes Hindernis die fehlende Vernetzung von Frauen ist, die den Karriereaufstieg verhindern und oft auch schlicht unmöglich machen.

Daher ist es kein Wunder, dass Frauen – weltweit! – immer noch kaum mehr als 25 % der Führungskräfte und leitenden Angestellten darstellen, weniger als 5 % der CEO-Posten innehaben und weniger als 20 % der Aufsichtsratssitze in den S&P 500-Unternehmen besetzen (Tendenz in Deutschland übrigens wieder fallend). Und das, obwohl Frauen weltweit fast die Hälfte der Erwerbstätigen ausmachen und mehr als die Hälfte der Hochschulabschlüsse erwerben!

Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass die Kluft zwischen den Geschlechtern bei diesem Tempo erst in 217 Jahren geschlossen sein wird!

Forscherteams haben Netzwerkdaten von mehr als dreißig Organisationen und 16.500 Personen über einen Zeitraum von 15 Jahren analysiert und dabei die 4 ERFOLGREICHSTEN Netzwerkpraktiken aufgedeckt, die für den Karriereaufstieg von Frauen entscheidend sind, und leistungsstarke Frauen von ihren weniger erfolgreichen Altersgenossinnen unterscheiden:

  1. Sie netzwerken grenzüberschreitend: Sie schlagen Brücken zu anderen Fachbereichen, anderen Branchen und Abteilungen. Sie bleiben nicht in ihrer Komfortzone, sondern erweitern mit dem Netzwerk ihren strategischen Handlungsrahmen und schaffen so eine strukturelle Vielfalt ihres eigenen Netzwerks. Dadurch können sie bei Problemlösungen beispielsweise auf eine breitere Wissens- und Erfahrungsbasis zurückgreifen. Sobald sich Frauen beim Aufbau von Netzwerken zu eng fokussieren und in ihrem eigenen „Dunstkreis“ bleiben, fallen sie sofort aus der Kategorie der Aufsteigerinnen heraus.
  2. Sie netwerken effizient: Frauen werden, so zeigt die Studie, auf allen Ebenen von ihren Kollegen um Informationen und Ratschläge gebeten, was sie besonders anfällig für Leistungseinbußen und Burnout macht, die mit der Überlastung durch die Zusammenarbeit einhergehen. Es fällt Frauen gemeinhin schwer, „Nein“ zu sagen und das inherente Gefühl der Verpflichtung abzuschütteln. Erfolgreiche Frauen schaffen das sehr gut. Sie haben „Nein.“ als einen ganzen Satz in ihr Vokabular aufgenommen und ziehen strategisch systematisch Grenzen. Sie übernehmen keine Fleißarbeit von anderen, sondern unterstützen dort, wo es dem Fortkommen ihrer Karriere strategisch dienlich ist.
  3. Sie netzwerken beständig: Die Frauen in der Studie zeigten eine größere Beständigkeit in ihren Beziehungen im Laufe der Zeit. Gleichzeitig passen sie ihre Netzwerke beständig neuen Gegebenheiten an, ohne die alten Kontakte fallen zu lassen. Diese Anpassungsfähigkeit von Netzwerken ist in Zeiten der Veränderung entscheidend. Diejenigen, denen das nicht gelingt, fallen in ihrer Karriere zurück. Erfolgreiche Frauen nutzten die größere Stärke und externe Reichweite ihrer Netzwerke, ohne sich von den Anforderungen der Zusammenarbeit beirren zu lassen.
  4. Sie bauen ihr Netzwerk auf Vertrauen auf: Die Untersuchungen haben gezeigt, dass ein strukturell vielfältiges Netzwerk – das reich an grenzüberschreitenden Beziehungen ist – der zweitwichtigste Prädiktor für einen Leistungsträger ist. Der wichtigste?  Engagement und Energie bei anderen zu erzeugen. Und das geht nur durch Vertrauen – insbesondere durch kompetenzbasiertes Vertrauen, insbesondere, wenn es um berufliche Netzwerke geht. Hier haben die erfolgreichen Frauen durchgängig festgestellt, dass es ihnen leichter fiel, Feedback einzuholen oder Gedanken und Ideen zu teilen, wenn das entsprechende Vertrauen Grundlage ihrer Netzwerke war. Dieses Vertrauen hat Momente der Kreativität hervorgebracht, die energetisierend auf die Frauen selbst, aber auch auf das Netzwerk wirkten. Darauf aufbauend konnten die erfolgreichen Frauen emotionale Unterstützung aus dem Netzwerk gewinnen – und diese gleichzeitig auch zurückgeben.

Insgesamt zeigt die Studie, dass persönliche Netzwerke für die Leistung und das Wohlbefinden von Frauen eine alles entscheidende Bedeutung haben und einen elementaren Stellenwert beim Erreichen beruflicher Ziele haben.