(© Melanie Vogel) Als ich vor 25 Jahren mein Abitur machte und nach einer einjährigen Ausbildung mein Studium begann, hegte ich große Hoffnungen in das Studium. Das humanistische Bildungsideal hatte ein romantisches Bild von Wissenserwerb in meinem Kopf gezeichnet, doch als ich dann an die Universitäten kam, sah die Realität anders aus.

Es gab Frontalunterricht von meist gelangweilten Professoren, vieles empfand ich als wenig herausfordernd und regelrecht redundant – doch rückwirkend war es mehr als das: Es war realitätsfernes Wissen, das schon damals nicht nur an meinen Bedürfnissen vorbei ging, sondern sich auch als wenig praxistauglich erwies.

Intuitiv traf ich zu der Zeit eine wichtige Entscheidung: Ich schwänzte viele Vorlesungen und nutzte stattdessen die Zeit zum Arbeiten. Ich war tätig als Messehostess auf allen großen Fachmessen in Hannover, für die EXPO 2000, als Marktforscherin oder als Sekretärin in einem Ingenieurbüro. Ich wollte so viel wie möglich lernen, ausprobieren, erfahren und in unterschiedliche Arbeitswelten eintauchen, sie erleben und erfühlen. Ich wollte wissen, wofür ich studierte – und ich wollte wissen, was ich in meinem Leben auf gar keinen Fall machen möchte. Ich wusste es damals noch nicht, doch was ich in dieser Phase tat, war das Anfertigen von „beruflichen Skizzen“. Mit jeder neuen Berufserfahrung wurden meine Striche kräftiger und mein „Karriere-Design“ klarer.

Heute, 25 Jahre später, skizziere ich immer noch. Doch anders als damals kenne ich heute meine Techniken und Talente deutlich besser. Ich weiß, welche Stilrichtung ich bevorzuge und auf welchem Untergrund und mit welchen Materialien ich besonders gut kreieren kann. Aber noch immer probiere ich neue Techniken und Designs aus, mische meine Farbpalette und kreiere neue „Berufs-Bilder“ für mich.

Drei Maßnahmen helfen mir dabei bis heute:

  1. Konsequenter Ausbau der eigenen Fähigkeiten: Die meisten Jobs erfordern heutzutage fachlich oftmals sehr enge Qualifikation, die zwar unsere Fähigkeiten hinsichtlich dieser Tätigkeit verfeinern, gleichzeitig aber einen Tunnelblick aktivieren. Nutze daher stressfreie Zeiten, Wochenenden oder auch Urlaube, um zu lesen, an Webinaren teilzunehmen oder Dich inspirativ mit neuen Themen auseinanderzusetzen und neue Fähigkeiten zu entwickeln.
  2. Erweiterung des eigenen Weltbildes: Es ist ein völlig natürlicher Nebeneffekt, dass sich das (berufliche) Weltbild im Laufe des Arbeitslebens verengt. Diese Verzerrungen und Illusionen werden so natürlich, dass man sich selten aufgefordert fühlt, sich außerhalb dieser Komfortzone zu bewegen. Stelle Dir daher in regelmäßigen Abständen immer mal wieder die Frage, welche Rollen und Erfahrungen Du außerhalb Deiner bisherigen Interessensgebiete spannend findest. Erweitere Deinen Horizont.
  3. Diversifizierung des eigenen Einkommens: Es macht Sinn, das eigene Einkommen zu diversifizieren, um sich gegen Unsicherheiten abzusichern. Sogenannte „Sidepreneurs“ generieren zusätzliche Einkünfte oder einen parallelen „Karriere-Stream“ durch Tätigkeiten, die außerhalb ihrer regulären Arbeitgeber-Tätigkeit liegen. Gerade durch die Digitalisierung ergeben sich spannende Möglichkeiten, zum Beispiel als BloggerIn, PodcasterIn oder E-Book-AutorIn. Mit Glück und Geschick lässt sich damit gutes Geld verdienen. Doch selbst wenn es nicht primär um weitere Einkünfte geht: Diese Tätigkeiten helfen, das eigene Karriere-Portfolio und die eigene Sichtbarkeit und Präsenz kontinuierlich auszubauen und zu festigen und daraus langfristig – vielleicht – einen lukrativen zweiten Karriere-Weg aufzubauen.